Nassersee

Ein gewaltiger Stausee zwischen Nil und Wüste

Assuan – Oberägypten und historisches Nubien

Nassersee

Blaues Wasser inmitten der nubischen Wüste – Reisefoto folgt

Nassersee – Das blaue Meer in der Wüste

Südlich der ägyptischen Stadt Assuan erstreckt sich eine außergewöhnliche Wasserlandschaft: der Nassersee. Sein tiefblaues Wasser bildet einen eindrucksvollen Gegensatz zu den trockenen Felsen und Sandflächen der umliegenden nubischen Wüste.

Der riesige Stausee entstand durch den Bau des Assuan-Hochdamms. Heute gehört er zu den größten künstlichen Seen Afrikas und ist für die Wasserversorgung und Landwirtschaft Ägyptens von entscheidender Bedeutung.

Seine Entstehung veränderte die Landschaft Oberägyptens grundlegend. Wo sich früher das Niltal mit Dörfern, Feldern und historischen Siedlungsgebieten erstreckte, liegt heute eine ausgedehnte Wasserfläche.

Wie entstand der Nassersee?

Der Bau des modernen Assuan-Hochdamms begann im Jahr 1960. Das Großprojekt sollte die jährlichen Schwankungen des Nilwassers ausgleichen, Überschwemmungen begrenzen und ausreichende Wasservorräte für Trockenperioden schaffen.

Während der Bauarbeiten wurde der Nil schrittweise aufgestaut. In den folgenden Jahren füllte sich das gewaltige Staubecken.

Der Hochdamm wurde 1970 fertiggestellt und 1971 offiziell eingeweiht. Der entstandene See wurde nach dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser benannt, der das Projekt politisch entscheidend vorangetrieben hatte.

Einer der größten künstlichen Seen Afrikas

Der gesamte Stausee erstreckt sich über ungefähr 500 Kilometer von Südägypten bis in den nördlichen Sudan. Seine Breite und Wasserfläche verändern sich abhängig vom jeweiligen Wasserstand.

Der ägyptische Teil trägt den Namen Nassersee. Im Sudan wird der südliche Teil häufig als Nubia-See bezeichnet.

Zahlreiche Buchten, Landzungen und Inseln prägen die Uferlandschaft. Das Wasser reicht stellenweise tief in ehemalige Wüstentäler hinein.

Der Nassersee als Wasserspeicher

Der Nassersee dient als gigantisches Wasserreservoir. In Jahren mit starken Nilzuflüssen können große Wassermengen gespeichert werden.

In trockenen Jahren lässt sich ein Teil dieser Vorräte nutzen, um die Versorgung von Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie zu unterstützen.

Gleichzeitig ermöglicht das gespeicherte Wasser die Stromerzeugung im Wasserkraftwerk des Assuan-Hochdamms.

Eine Landschaft von außergewöhnlicher Weite

Besonders beeindruckend ist der Kontrast zwischen dem tiefblauen Wasser und den warmen Farbtönen der Wüste.

Je nach Sonnenstand erscheinen die umliegenden Felsen und Hügel in gelblichen, ockerfarbenen oder rötlich-braunen Schattierungen.

Die teilweise menschenleeren Ufer vermitteln einen Eindruck von Ruhe und Abgeschiedenheit. Diese Landschaft unterscheidet sich deutlich von den grünen Uferstreifen des Nils nördlich von Assuan.

Das versunkene Nubien

Die Entstehung des Nassersees hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die historische Region Nubien.

Zahlreiche Dörfer, landwirtschaftliche Flächen und historische Siedlungsgebiete wurden überflutet. Viele nubische Familien mussten ihre Heimat verlassen und wurden in neue Siedlungsgebiete umgesiedelt.

Mit dem Verlust der ursprünglichen Dörfer gingen auch gewachsene Lebensräume und Teile des kulturellen Erbes verloren.

Die nubische Kultur besteht jedoch bis heute fort. Ihre Sprache, Musik, Architektur und Traditionen sind wichtige Bestandteile der regionalen Identität.

Die Rettung der Tempel von Abu Simbel

Mit dem Anstieg des Wasserspiegels gerieten auch zahlreiche antike Tempelanlagen in Gefahr.

Besonders bekannt sind die monumentalen Felsentempel von Abu Simbel, die unter Pharao Ramses II. errichtet wurden.

Im Rahmen einer internationalen UNESCO-Rettungsaktion wurden die Tempel in den 1960er Jahren in große Blöcke zerlegt und an einem höher gelegenen Standort wieder aufgebaut.

Die erfolgreiche Verlegung zählt zu den bedeutendsten Leistungen der internationalen Denkmalpflege.

Weitere gerettete Tempel

Nicht nur Abu Simbel war von der Überflutung bedroht. Auch zahlreiche andere Heiligtümer mussten dokumentiert, versetzt oder an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

Dazu gehören unter anderem die Tempel von Kalabscha, Amada und Wadi es-Sebua.

Einige Monumente wurden im Rahmen internationaler Vereinbarungen an ausländische Museen übergeben.

Tierwelt und Natur am Nassersee

Trotz der trockenen Umgebung bietet der Nassersee Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

Im Wasser leben verschiedene Fischarten, darunter der bekannte Nilbarsch.

An den Ufern und in den Buchten können Wasservögel beobachtet werden. Auch Nilkrokodile kommen im Seegebiet vor.

Die Tierwelt sollte stets mit ausreichendem Abstand beobachtet werden. Das Schwimmen in ungesicherten Bereichen ist nicht empfehlenswert.

Der Nassersee als Reiseziel

Für Besucher von Assuan gehört der Blick auf den Nassersee häufig zu einer Besichtigung des Hochdamms.

Darüber hinaus werden auf dem See spezielle Schiffsreisen angeboten, bei denen historische Tempelanlagen und abgelegene Uferlandschaften besucht werden können.

Eine solche Reise unterscheidet sich von der klassischen Nilkreuzfahrt zwischen Assuan und Luxor, die auf dem Fluss nördlich des Hochdamms stattfindet.

Sehenswürdigkeiten rund um den Nassersee

  • Assuan-Hochdamm
  • Felsentempel von Abu Simbel
  • Tempel von Kalabscha
  • Tempel von Amada
  • Tempel von Wadi es-Sebua
  • Nubische Wüstenlandschaften
  • Inseln und Buchten des Nassersees

Besonders interessant ist der Nassersee für Reisende, die sich für Landschaften, moderne Wasserbaugeschichte, nubische Kultur und archäologische Sehenswürdigkeiten begeistern.

Nassersee – Geschichte, Natur und Sehenswürdigkeiten

Die folgenden acht Kapitel bieten zusätzliche Informationen über die Entstehung des Nassersees, seine Bedeutung für Ägypten und das historische Nubien.

Die ursprüngliche Nillandschaft

Vor der Entstehung des Nassersees floss der Nil durch ein langes Tal mit Dörfern, landwirtschaftlichen Flächen und historischen Siedlungen.

Planung des Hochdamms

In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte Ägypten den Plan, den Nil durch einen großen Hochdamm stärker zu regulieren.

Baubeginn 1960

Mit dem Beginn der Bauarbeiten am Assuan-Hochdamm wurde die Grundlage für den späteren Nassersee geschaffen.

Aufstauung des Nils

Während der Bauphase begann das Wasser, sich im zukünftigen Staubecken zu sammeln.

Namensgebung

Der See wurde nach Gamal Abdel Nasser benannt, dem ägyptischen Präsidenten, der das Projekt maßgeblich unterstützte.

Veränderung der Landschaft

Innerhalb weniger Jahre entstand eine riesige Wasserfläche, die das historische Niltal in der Region grundlegend veränderte.

Lage

Der Nassersee liegt im Süden Ägyptens und reicht bis in den nördlichen Sudan.

Länge

Der gesamte Stausee erreicht bei entsprechendem Wasserstand eine Länge von ungefähr 500 Kilometern.

Breite

Die Breite ist sehr unterschiedlich. In einigen Bereichen öffnet sich der See zu einer ausgedehnten Wasserfläche.

Wasserstand

Die Ausdehnung verändert sich mit dem Wasserstand. Dieser hängt unter anderem von den Zuflüssen des Nils und der Wasserabgabe am Hochdamm ab.

Buchten

Ehemalige Seitentäler bilden zahlreiche langgezogene Buchten.

Inseln

Höher gelegene Landschaftsteile ragen heute als Inseln aus dem Wasser.

Wüstenlandschaft

Die Ufer werden überwiegend von trockenen Fels- und Sandlandschaften geprägt.

Wasserspeicherung

Der Nassersee speichert große Mengen Nilwasser und ermöglicht eine regulierte Abgabe an den Unterlauf des Flusses.

Hochwasserschutz

Durch die Speicherung hoher Zuflüsse können extreme Überschwemmungen unterhalb des Hochdamms vermindert werden.

Trockenperioden

Während niederschlagsarmer Jahre können gespeicherte Wasservorräte helfen, die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Landwirtschaft

Die kontrollierte Wasserabgabe unterstützt die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen.

Wasserkraft

Das Wasser des Stausees treibt die Turbinen des Assuan-Hochdamms an und ermöglicht die Erzeugung elektrischer Energie.

Grenzüberschreitende Bedeutung

Der Nil ist ein internationaler Fluss. Seine Nutzung betrifft mehrere Staaten im Einzugsgebiet.

Deshalb spielen Wasserverfügbarkeit und Zusammenarbeit zwischen den Nil-Anrainerstaaten eine wichtige Rolle.

Historisches Nubien

Nubien bezeichnet eine historische Region entlang des Nils zwischen Südägypten und dem heutigen Sudan.

Kulturelle Eigenständigkeit

Nubische Gemeinschaften entwickelten über viele Jahrhunderte eigene Sprachen, Traditionen und kulturelle Ausdrucksformen.

Alte Siedlungen

Vor dem Bau des Hochdamms lagen zahlreiche nubische Dörfer im späteren Überflutungsgebiet.

Umsiedlungen

Viele Menschen mussten ihre Heimat verlassen, als sich der Nassersee füllte.

Verlust von Kulturlandschaften

Mit den überfluteten Siedlungen gingen auch Felder, historische Wege und vertraute Landschaften verloren.

Nubische Kultur heute

Nubische Traditionen werden weiterhin gepflegt. Musik, Kunsthandwerk, Sprache und Architektur gehören zum kulturellen Erbe der Region.

Bedrohung durch den Stausee

Durch die Entstehung des Nassersees gerieten zahlreiche antike Tempel in Gefahr, überflutet zu werden.

Die UNESCO-Rettungskampagne

Internationale Fachleute entwickelten aufwendige Verfahren, um bedeutende Tempelanlagen zu retten.

Abu Simbel

Die berühmten Felsentempel von Abu Simbel wurden unter Ramses II. errichtet.

Die Tempel wurden in den 1960er Jahren zerlegt und an einem höher gelegenen Standort wieder aufgebaut.

Kalabscha

Auch der Tempel von Kalabscha wurde an einen neuen Standort versetzt.

Amada

Der Tempel von Amada gehört ebenfalls zu den geretteten nubischen Monumenten.

Wadi es-Sebua

Mehrere Tempelanlagen aus dem Gebiet von Wadi es-Sebua wurden ebenfalls vor der Überflutung geschützt.

Weltweite Bedeutung

Die Rettungsaktion gilt als Meilenstein internationaler Zusammenarbeit beim Schutz des kulturellen Erbes.

Fischbestände

Der Nassersee bietet Lebensraum für zahlreiche Fischarten. Besonders bekannt ist der Nilbarsch.

Fischerei

Die Fischerei besitzt wirtschaftliche Bedeutung für die Region.

Wasservögel

Die Ufer und Buchten werden von verschiedenen Vogelarten genutzt, darunter Reiher und andere Wasservögel.

Nilkrokodile

Im Gebiet des Nassersees leben Nilkrokodile. Sie sind ein natürlicher Bestandteil der dortigen Tierwelt.

Neue Lebensräume

Durch den Stausee entstanden neue aquatische Lebensräume, während frühere Fluss- und Uferökosysteme verändert oder überflutet wurden.

Sedimentablagerung

Große Mengen der vom Nil transportierten Sedimente werden im Nassersee zurückgehalten.

Verdunstung

Wegen der hohen Temperaturen und der großen Wasseroberfläche verdunsten erhebliche Wassermengen.

Besuch vom Assuan-Hochdamm

Viele Reisende erleben den Nassersee erstmals bei einem Ausflug zum Assuan-Hochdamm.

Kreuzfahrten auf dem Nassersee

Auf dem See werden besondere Schiffsreisen angeboten. Sie verbinden Landschaftserlebnisse mit Besuchen historischer Tempelanlagen.

Abu Simbel

Die monumentalen Felsentempel gehören zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten am Nassersee.

Kalabscha

Der Kalabscha-Tempel liegt in der Nähe des Hochdamms und gehört zu den bedeutenden geretteten Tempelanlagen.

Amada

Der Tempel von Amada ist für seine gut erhaltenen Reliefs und Malereien bekannt.

Wadi es-Sebua

Die Tempelanlagen von Wadi es-Sebua erinnern an die religiöse Bedeutung Nubiens in der Pharaonenzeit.

Landschaftserlebnis

Besonders reizvoll sind die weiten Wasserflächen, abgelegenen Buchten und kargen Wüstenberge.

Unterschied zur Nilkreuzfahrt

Die klassische Nilkreuzfahrt zwischen Assuan und Luxor findet nördlich des Hochdamms statt.

Eine Nassersee-Kreuzfahrt ist dagegen eine eigenständige Reiseform auf dem südlich gelegenen Stausee.

Beste Reisezeit

Für Besichtigungen in Südägypten sind die kühleren Monate häufig angenehmer.

Während des Sommers können die Temperaturen am Nassersee sehr hoch steigen.

Sonnenschutz

Wegen der starken Sonneneinstrahlung sind Kopfbedeckung, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser besonders wichtig.

Fotomotive

Besonders eindrucksvoll sind die Kontraste zwischen blauem Wasser, hellen Wüstenbergen und dem weiten Himmel.

Tierbeobachtung

Wasservögel und andere Tiere sollten aus angemessener Entfernung beobachtet werden.

Wegen möglicher Nilkrokodile sollte nicht in ungesicherten Bereichen geschwommen werden.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Fazit

Der Nassersee ist weit mehr als ein großer Wasserspeicher.

Er steht für die technische Entwicklung des modernen Ägyptens, für tiefgreifende Veränderungen der Landschaft und für die Geschichte des nubischen Kulturraums.

Gleichzeitig bietet die Verbindung von Wasser, Wüste und historischen Tempelanlagen eine außergewöhnliche touristische Kulisse.

Hinweis: Zugangsregelungen, Reiseangebote, Eintrittspreise und Sicherheitsbestimmungen können sich ändern.