Abu Simbel – Ein monumentales Vermächtnis der Pharaonen
Tief im Süden Ägyptens, nahe der Grenze zum Sudan, liegen die weltberühmten Felsentempel von Abu Simbel. Sie gehören zu den eindrucksvollsten Monumenten der altägyptischen Baukunst und sind ein Höhepunkt jeder Reise durch Oberägypten.
Bereits aus der Entfernung beeindruckt die gewaltige Fassade des großen Tempels. Vier monumentale Sitzstatuen des Pharaos Ramses II. bewachen den Eingang zu einem Heiligtum, das vor mehr als 3.000 Jahren direkt in den Felsen geschlagen wurde.
Neben dem großen Tempel befindet sich ein zweites, etwas kleineres Heiligtum, das der Göttin Hathor und der königlichen Gemahlin Nefertari gewidmet war.
Beide Tempel zählen heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Ägyptens. Ihre außergewöhnliche Geschichte ist nicht nur mit Ramses II. verbunden, sondern auch mit einer der spektakulärsten Denkmalschutzaktionen des 20. Jahrhunderts.
Ramses II. – Einer der mächtigsten Pharaonen
Ramses II. regierte Ägypten im 13. Jahrhundert v. Chr. und gehört zu den bekanntesten Herrschern des Neuen Reiches.
Seine lange Regierungszeit war von umfangreichen Bauprojekten, militärischen Unternehmungen und einer ausgeprägten königlichen Selbstdarstellung geprägt.
Überall in Ägypten ließ Ramses II. monumentale Tempel, Statuen und Inschriften errichten.
Die Felsentempel von Abu Simbel sollten seine Macht demonstrieren und zugleich die religiöse Bedeutung des Königtums hervorheben.
Der große Tempel von Abu Simbel
Der große Felsentempel ist eines der berühmtesten Bauwerke des alten Ägyptens.
Seine monumentale Fassade ist ungefähr 33 Meter hoch und etwa 38 Meter breit.
Vor dem Eingang sitzen vier gewaltige Statuen Ramses' II., die jeweils ungefähr 20 Meter hoch sind.
Die Statuen zeigen den Pharao in majestätischer Haltung mit königlichen Insignien.
Zu seinen Füßen befinden sich kleinere Darstellungen von Mitgliedern der königlichen Familie.
Eine der großen Sitzstatuen ist teilweise beschädigt. Die herabgestürzten Teile wurden beim Wiederaufbau nicht vollständig rekonstruiert.
Das Innere des großen Tempels
Hinter dem Eingang führt eine monumentale Säulenhalle tief in den Felsen.
Acht gewaltige Osirispfeiler zeigen Ramses II. in Verbindung mit dem Gott Osiris.
Die Wände sind mit zahlreichen Reliefs geschmückt.
Besonders bekannt sind die Darstellungen der Schlacht von Kadesch, in denen Ramses II. seine militärischen Leistungen verherrlichen ließ.
Weitere Reliefs zeigen religiöse Opferhandlungen und Begegnungen des Pharaos mit verschiedenen Gottheiten.
Das Allerheiligste
Im hintersten Bereich des großen Tempels befindet sich das eigentliche Heiligtum.
Dort stehen vier sitzende Figuren, die mit den Gottheiten Ptah, Amun-Re und Re-Harachte sowie mit dem vergöttlichten Ramses II. verbunden sind.
Dieser Raum ist besonders wegen eines außergewöhnlichen Lichtphänomens bekannt: des sogenannten Sonnenwunders von Abu Simbel.
Das Sonnenwunder von Abu Simbel
Zweimal im Jahr dringen die Strahlen der aufgehenden Sonne durch den langen Tempelgang bis in das Allerheiligste.
Dabei werden drei der vier Figuren von Sonnenlicht erfasst.
Die Figur des Gottes Ptah, der unter anderem mit der Unterwelt verbunden war, bleibt weitgehend im Schatten.
Das Sonnenwunder wird heute gewöhnlich um den 22. Februar und den 22. Oktober beobachtet.
Die genaue Beleuchtung hängt von den astronomischen Bedingungen und der Ausrichtung des Tempels ab.
Welche besondere symbolische Bedeutung die ursprünglichen Termine besaßen, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt.
Der kleine Tempel der Nefertari
Wenige Meter neben dem großen Felsentempel befindet sich der kleinere Hathor-Tempel.
Ramses II. ließ ihn der Göttin Hathor und seiner königlichen Gemahlin Nefertari widmen.
Die Fassade wird von sechs großen stehenden Statuen geprägt.
Vier Figuren zeigen Ramses II., zwei weitere seine Gemahlin Nefertari.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Königin annähernd in derselben Größe wie der Pharao dargestellt wurde.
Dies war in der altägyptischen Königsdarstellung keineswegs selbstverständlich und unterstreicht die besondere Stellung Nefertaris.
Das Innere des Nefertari-Tempels
Im Inneren des kleinen Tempels befinden sich Säulen, Reliefs und religiöse Darstellungen.
Die Göttin Hathor erscheint häufig mit ihren charakteristischen Kuhhörnern und der Sonnenscheibe.
Die Reliefs zeigen Nefertari und Ramses II. bei religiösen Handlungen vor verschiedenen Gottheiten.
Abu Simbel und die nubische Landschaft
Abu Simbel liegt in der historischen Region Nubien, südlich von Assuan.
Die Tempelanlage befindet sich heute oberhalb des Nassersees.
Der Kontrast zwischen dem tiefblauen Wasser, der trockenen Wüstenlandschaft und den monumentalen Felsentempeln ist besonders eindrucksvoll.
Die Bedrohung durch den Nassersee
Mit dem Bau des Assuan-Hochdamms entstand die Gefahr, dass die Tempel von Abu Simbel im aufgestauten Nilwasser versinken würden.
Der geplante Nassersee sollte große Teile des historischen Nubiens überfluten.
Dadurch waren zahlreiche antike Monumente bedroht.
Die spektakuläre UNESCO-Rettung
Unter der Schirmherrschaft der UNESCO begann eine internationale Rettungsaktion für die nubischen Tempel.
Die Felsentempel von Abu Simbel wurden zwischen 1964 und 1968 in große Steinblöcke zerlegt.
Anschließend transportierte man die Blöcke an einen neuen Standort, der ungefähr 65 Meter höher und etwa 200 Meter weiter landeinwärts lag.
Dort wurden die Tempel sorgfältig wieder zusammengesetzt und in eine künstlich gestaltete Felslandschaft integriert.
Das Projekt zählt zu den außergewöhnlichsten technischen und archäologischen Rettungsaktionen des 20. Jahrhunderts.
UNESCO-Welterbe
Seit 1979 gehören die Felsentempel von Abu Simbel zum UNESCO-Welterbe im Rahmen der Stätte Nubische Denkmäler von Abu Simbel bis Philae.
Die Anerkennung unterstreicht die außergewöhnliche kulturelle Bedeutung der Monumente.
Abu Simbel als touristisches Reiseziel
Abu Simbel ist heute eines der bekanntesten Ausflugsziele Südägyptens.
Viele Besucher erreichen die Tempelanlage im Rahmen eines organisierten Ausflugs von Assuan.
Die Anreise führt durch die weite nubische Wüstenlandschaft.
Alternativ kann Abu Simbel je nach Reiseangebot auch im Rahmen einer Nassersee-Kreuzfahrt besucht werden.
Besonders eindrucksvoll ist der erste Blick auf die vier gewaltigen Sitzstatuen Ramses' II.
Ein Höhepunkt der Ägyptenreise
Abu Simbel verbindet auf einzigartige Weise die monumentale Baukunst des alten Ägyptens mit einer spektakulären Geschichte moderner Denkmalpflege.
Die gewaltigen Statuen, die Reliefs im Inneren und das berühmte Sonnenwunder machen die Tempelanlage zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.